Mehrfachredundanz und IT-Sicherheit für Marktteilnehmer

Neues integriertes Netzleitsystem Gastransport für Norddeutschland

Gasunie Deutschland betreibt ein Fernleitungsnetz für den Transport von Erdgas in Norddeutschland. Das rund 3.200 Kilometer lange Transportnetz des in Hannover ansässigen Tochterunternehmens der N. V. Nederlandse Gasunie verbindet das niederländische Gasunie-Netz mit den dänischen und norwegischen Transportnetzen.

Netzleitsystem – Leitzentrale Schneiderkrug
Netzleitsystem – Leitzentrale Schneiderkrug, Foto: Gasunie

Über die Nordeuropäische Erdgasleitung (NEL) ist das Gasunie- Transportsystem mit der Ostseepipeline Nord Stream und den Erdgasquellen in Sibirien verbunden. So bringt Gasunie durch ihre Infrastruktur neue Gasströme zu den Verbrauchern in Deutschland und Europa und wird auf diese Weise zur Gasdrehscheibe Nordwesteuropas.

Überwachung und Steuerung in der Leitzentrale

In der Leitzentrale der Gasunie Deutschland in Schneiderkrug sorgen die Dispatcher dafür, dass die Erdgasversorgungsunternehmen in Norddeutschland ihren Kunden zu marktgerechten Preisen das Gas zum richtigen Zeitpunkt an den richtigen Abnahmeort liefern. An über 30 Stellen kann Erdgas in das Transportnetz eingespeist werden, davon an 5 Cross-border-Stationen. Die Übergabe erfolgt an 180 Ausspeisestationen. Um zu gewährleisten, dass der Gasfluss stets in der vertraglich vereinbarten Menge und Richtung zuverlässig durch das Leitungsnetz mit acht Verdichterstationen und insgesamt 23 Verdichtereinheiten gelenkt wird, werden das Leitungsnetz und die Speicher rund um die Uhr überwacht und gesteuert – 24 Stunden an sieben Tagen der Woche.

Erneuerung des bestehenden Netzleitsystems

Im Rahmen des neuen INGa Projektes (Integriertes Netzleitsystem Gastransport) wurde die PSI AG Mitte 2008 beauftragt, das bestehende Netzleitsystem GAMOS durch PSIcontrol V7 zu ersetzen. Das neue Netzleitsystem wurde von PSI als Turn-Key-Projekt realisiert. Dies umfasst die Lieferung der Hardware einschließlich neuer Fernwirkköpfe, die Gestaltung der Warten, die Erstellung und Lieferung der Software, die Montage und die Installation aller Komponenten. Ein detailliertes, gemeinsam mit Gasunie ausgearbeitetes Migrations- und Inbetriebnahmekonzept regelte den Ablauf der hochgradig automatisierten Übernahme des Datenmodells, aller Anlagenund Netzbilder, aller Rechenvorschriften und der Simulations-Topologie. In einer neuen Ersatzleitwarte an einem weiteren Gasunie-Standort wurde parallel zum produktiven Betrieb mit dem Altsystem das neue Netzleitsystem in Betrieb genommen.

Netzleitsystem Konfiguration
Übergeordnete Konfiguration

Das neue Netzleitsystem PSIcontrol V7 ist in die konzernweite Infrastruktur der Gasunie unter Berücksichtigung der Gasunie- Sicherheitsanforderungen integriert. Es ist in unterschiedliche Sicherheitsgruppen aufgeteilt. Diese sind jeweils mit Firewalls pro Standort miteinander und mit dem Gasunie-Konzernnetz verbunden. Somit kann von allen Arbeitsplätzen des INGa-Systems auch auf die Office-Dienste innerhalb des Gasunie- Hausnetzes sicher zugegriffen werden. Die Ankopplung an das Fernwirknetz erfolgt über mehrfach redundante Fernwirkköpfe mit OPC-Protokoll. Die Server des INGa-Systems werden mit Betriebssystem Linux und Windows betrieben.

Hohe Anforderungen an die Anwender- und Systemfunktionen

Die Gasunie stellt hohe Anforderungen an die Anwender- und Systemfunktionen des neuen Netzleitsystems, die PSI mit ihren Standardprodukten umsetzte. Notwendige projektspezifische Anpassungen wurden berücksichtigt. Absolute Sicherheit bei der Betriebsführung und hohe ergonomische Ansprüche und Einhaltung der bei Gasunie verbindlichen IT-Security-Richtlinien waren klar vorgegebene Auflagen der Gasunie. Mit detaillierten Testvorschriften wurde das System vor der Inbetriebnahme umfassend geprüft. Besondere Highlights des Projektes sind die vollständige Übernahme des Altsystems mit der Migration und automatischen Konvertierung aller Stammdaten und der unterbrechungsfreie Übergang vom Altsystem in das neue System. Ganz besonderes Augenmerk wird auf die kontinuierliche Datenversorgung der für die Abrechnung relevanten und eichbehördlich abgenommenen Gasbeschaffenheits-Rekonstruktion PSIganproda gelegt. Ein erweitertes Standortkonzept ermöglicht eine kontrollierte Übergabe der Steuerungshoheit zwischen den beiden Standorten für die Leitzentrale und erfüllt damit alle Anforderungen an ein hochverfügbares System.

Dabei war die besondere Herausforderung, die beiden redundanten Standorte datentechnisch parallel zu versorgen, die Bedieneraktionen zu synchronisieren und die Befehlsgabe zu steuern, einschließlich Nachführungen und manuelle Archivkorrekturen.

Leitzentrale Schneiderkrug
Leitzentrale Schneiderkrug, Foto: Gasunie

Die eingesetzte integrierte Simulation PSIganesi berechnet die aktuellen Netzzustände und stellt die Ergebnisse in Prozessbildern oder im topologischen Weltbild dar.

Die vorausschauenden Simulationsvarianten – zyklisch, zyklisch-automatisch oder manuell – erlauben einen Blick in die Zukunft des Netzes.

PSItransport deckt mit seinem Standardfunktionsumfang die Geschäftsprozesse der Disposition umfassend ab, hierzu gehören die Handhabung von Nominierungen, die Nutzung virtueller Speicher und die Behandlung von Ausspeisezonen.

Die Anbindung der kundenseitigen Inhouse- Systeme sowie der externen Partnersysteme erfolgt mit PSIcon in Form einer einheitlichen, robusten und äußerst perfomanten Systemlösung. Dabei werden fachliche Aspekte wie die Integrität über Systemgrenzen und unterschiedliche Datenmodelle hinweg genauso berücksichtigt wie technische Sicherheitsanforderungen einer nachvollziehbaren, eindeutigen und den ITSicherheitsrichtlinien entsprechenden Datenkommunikation.

Das INGa System wird seit Ende 2011 zur größten Zufriedenheit des Kunden mit einer Verfügbarkeit von 100 Prozent produktiv genutzt.

Nicht ohne Stolz formuliert Gasunie auf ihrer Website „Unsere Leitzentrale ist eine der modernsten Erdgas-Überwachungs- und Steuerungsanlagen der Welt“.