Aare Seeland mobil AG führt dynamische Fahrgastinformation ein

Durchgängige Information für Fahrgäste im Schweizer Mittelland

Moderner Meterspurtriebzug bei Aarwangen

Die Dienstleistungen des ÖPNV beschränken sich längst nicht mehr allein auf die Beförderung der Fahrgäste. Verlässliche Auskünfte über Verspätungen, Ausfälle oder gefährdete Anschlussverbindungen gehören zu den klaren Anforderungen der Kunden - daher beschloss die Aare Seeland mobil AG (asm), ihre Bahnhöfe und Haltestellen mit einem modernen Fahrgastinformationssystem auszurüsten.

Im Rahmen einer öffentlichen Ausschreibung erhielt die PSI Transcom GmbH den Auftrag für die Implementierung eines Fahrgastinformationssystems(FIS) zur optischen und akustischen Information auf den Bahnhöfen und Haltestellen auf der Basis ihrer PSItraffic-Technologie. Die Hardware - moderne Stelen mit TFT-Monitoren, Beschallung und verschiedenen Funktionstastern des Herstellers EAO sowie Überkopfanzeiger in LCD-Ausfertigung - lieferte PSI Transcom gemeinsam mit ihrem langjährigen Partner ib datentechnik aus Konstanz. Eine besondere Anforderung stellte zusätzlich die Entwicklung eines neuen Bordrechners für die Triebwagen dar. Auf die Vertragsunterzeichnung im Februar 2013 folgten die Pflichtenhefterstellung, die Entwicklung und Konfiguration sowie schließlich im November der Factory Acceptance Test, in dem asm in einer Testumgebung alle Softwarekomponenten des neuen Systems prüfen und eventuelle Änderungen oder Ergänzungen einbringen konnte. Im November erfolgte auch die Installation der Hardware auf den Bahnhöfen und Haltestellen, sodass nach einer kurzen Nachentwicklung bereits zum Jahresende die phasenweise Inbetriebnahme beginnen konnte.

Die erste Etappe umfasste 26 Stationen des Streckennetzes im Oberaargau. In der zweiten Etappe folgen bis Ende 2014 die restlichen Stationen sowie die Stationen des Seelands. Die auffälligste Veränderung für die Fahrgäste besteht in den neu aufgestellten Auskunftsstelen. Sie verfügen neben den üblichen Plakatvitrinen über einen 32-Zoll-TFT-Monitor zur Darstellung aktueller Informationen zu den Zügen und zur Betriebslage auf den Strecken. Ein kleiner Rechner steuert nebenden Kundeninformationen auch die mittig angebrachten Taster. Über diese kann der Kunde drei Funktionen abrufen. So lässt sich mit einem Taster an Bedarfshaltestellen der Zughalt anfordern. Ein anderer startet die Text-to-speech-Funktion, mit der auf Knopfdruck der Inhalt einer auf dem Monitor dargestellten Information vorgelesen wird. Mit einer dritten Taste kann sich der Kunde schließlich mit der Leitstelle in Verbindung setzen. Zudem gibt es noch auf einigen Bahnhöfen die Überkopfanzeiger und die Beschallung, über die die üblichen Einfahrts- und Abfahrtsmeldungen erfolgen.

Neuentwicklung im Einsatz

Die Fahrplandaten, die in PSItraffic gespeichert sind, sagen zwar, wo die Züge zu einer bestimmten Zeit laut Fahrplan sein sollten, aber nicht, wo sie tatsächlich sind. "Das müssen wir aber wissen, um zum Beispiel Verspätungen anzukündigen", so Daniel Fankhauser, Leiter Rollmaterial und Technik bei der asm. Diese Informationen kommen meist aus Zuglenkungssystemen wie ILTIS. Bei asm gibt es das System aber nur in einem kleinen Ausbaugrad, etwa zur Steuerung der Schranken; eine ständige Information über den genauen Standort eines Zuges erhielt die Leitstelle bisher nicht. Dafür mussten die Berliner den schon in der Ausschreibung geforderten neuen Bordrechner konzipieren. Sie entwickelten eine App für ein handelsübliches Android-Mobiltelefon, das über GPS die Standortdaten des Zuges kontinuierlich überträgt. Jetzt ist in jedem Führerstand ein Mobiltelefon in einer Halterung fest als Bordrechner installiert und überträgt fahrtrichtungsbezogen alle fünf Sekunden den Standort in die FIS-Zentrale, wo die Daten verarbeitet und dargestellt werden. Damit hat man in der Leitstelle jederzeit eine transparente Sicht auf den Betriebsablauf und sieht auf dem Zeit-Weg-Liniendiagramm eventuelle Abweichungen vom Fahrplan.

"So erkennen unsere Disponenten Konfliktsituationen und können rasch die nötigen Maßnahmen einleiten, um einen optimalen Betriebsablauf zu gewährleisten", erläutert Fankhauser.

Ebenso können die Fahrgastinformationen stets aktuell angepasst werden - von Verspätungen über Zug- oder Teilzugausfälle bis zu Sperrungen von Streckenabschnitten.

Modern und leistungsfähig

Geplant ist jetzt noch die Weitergabe der dynamischen Fahrgastinformationen und der Daten für die Anschlusssicherung über eine VDV-453-Standard-Schnittstelle. Über diese Schnittstelle tauscht man Daten zwischen einem Rechnergestützten Betriebsleitsystem (RBL) und einem anderen RBL oder auch einer Datendrehscheibe aus, um einem Partner mitzuteilen, ob und welcher Zug Verspätung hat. Die asm überträgt künftig ihre Daten an die Datendrehscheibe Bern, von wo sie mit dem Mobiltelefon über eine App von der mobilen Echtzeitplattform MEZI abgerufen werden können.

"PSItraffic versetzt die Disponenten in der Leitstelle in die Lage, alle betrieblichen Vorkommnisse den Kunden direkt als Information zur Verfügung zu stellen. Damit präsentieren wir uns als modernes Verkehrsunternehmen, das seine Kunden zuverlässig und aktuell über alle Betriebsabläufe informiert", fasst Daniel Fankhauser zusammen.

Kontakt

Elke Frommann
Leiterin Vertrieb Bahnsysteme
Dircksenstraße 42-44
10178 Berlin
Telefon: +49 30 2801-1613
Telefax: +49 30 2801-1032
efrommann@psi.de

Artikel aus:

Zeitschrift für Verkehr und Sicherheit

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