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Aktives Risikomanagement für stabile Supply Chains – Wird Just-in-time zum Auslaufmodell?

08.06.2022 - Logistik, Technologie

gstockstudio/Adobe Stock
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Die vergangenen Jahre haben uns vieles über Krisen und mangelnde Vorsorge gelehrt. Vor allem eines: Krisen sind unvermeidbar. Sie kommen und gehen, manche beschäftigen uns länger als andere. Ein altes Sprichwort mahnt: Vorsicht ist besser als Nachsicht. Doch wie plant man das Unvorhersehbare? Welche Maßnahmen benötigen Unternehmen für die Vorausplanung von Jahrhundertereignissen wie Pandemien und weltweiten Versorgungseng­pässen?

Das Krisenmanagement ist eng mit dem Risikomanagement verbunden. Krisen sind in der Regel unerwartete Ereignisse, die plötzlich auftreten. Das Risikomanagement hingegen befasst sich mit bekannten, erwarteten Risiken und wie diese durch Maßnahmen abgemildert werden können. Gerade im Hinblick auf Versorgungs- und Lieferengpässe stehen Unternehmen vor der Aufgabe, sich auf Krisen und Risiken gleichermaßen vorzubereiten. Die Realität sieht jedoch oft anders aus.

Studien zeigen: Unternehmen weisen massiven Nachholbedarf an Risikomanagement auf

Der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME) und die Hochschule Fulda führten dazu Ende 2020 eine Studie zum Thema Risikomanagement durch. Der Studie Supply Chain Risk Management (SCRM) zufolge spürten fast die Hälfte der befragten Unternehmen bereits nach wenigen Monaten Pandemie mittlere bis hin zu sehr hohe Auswirkungen auf ihre Lieferketten. Laut der Studie hatte zu dem Zeitpunkt nur rund jedes fünfte befragte Unternehmen eine Organisationseinheit für Supply Chain Risk Management etabliert.

Der Supply Chain Management Trendreport 2021 von INFORM beleuchtet die Entwicklung der Digitalisierung im Supply Chain Management. Die Ergebnisse zeigen, dass die meisten der befragten Unternehmen die Digitalisierung ihres Supply Chain Managements (SCM) für entscheidend erachten, um zukünftigen Krisen resilienter entgegenzutreten. Darüber hinaus spricht die Mehrheit der Digitalisierung ihrer Supply Chain eine hohe bis sehr hohe Relevanz zu. Die Relevanz einer abgesicherten Supply Chain ist somit unumstritten. Nichtsdestotrotz scheint es nach wie vor Hindernisse zu geben, die es für Unternehmen zu meistern gilt.

„Für 163 von 190 befragten Unternehmen hat die Digitalisierung des Supply Chain Managements hohe oder sehr hohe Relevanz.“ 

Digitale Transformation der Supply Chain als Grundlage

Eine Ursache für solche Hindernisse ist das Fehlen fundamentaler Grundlagen für aktives Risikomanagement in der Supply Chain. Woran liegt das? In den meisten Fällen fehlt den Unternehmen die Zeit sowie die nötige Datentransparenz. Die digitale Transformation der Supply Chain bietet diese Transparenz und damit die Grundlage für fundierte, belastbare Entscheidungen. Des Weiteren erschließt sie zusätzliche Optimierungs­potenziale bei etablierten Prozessen und sorgt für entsprechende Kostensenkungen.

Risikomanagement in der Supply Chain ist für Unternehmen ein Projekt, welches sich mit dem Einsatz intelligenter IT-Systeme für Supply Chain Network Design bewältigen lässt. Belohnt werden Unternehmen mit einer Sicherheit, mit der sie zukünftigen Risiken sowie so manchen Krisen gegenübertreten können. Allerdings ist aktives Risikomanagement kein einmaliges Projekt.

Supply Chain Network Design

Der Begriff Supply Chain Network Design fasst Systeme zusammen, die es erlauben, Logistiknetze auf veränderte Betrachtung hin zu optimieren, zu analysieren und zu planen. Der entscheidende Vorteil liegt insbesondere in der gewonnenen Transparenz, den diese Systeme bieten. Durch die Analyse der Unternehmens- und im besten Fall auch der Lieferantendaten können Optimierungspotenziale wie z. B. besser geeignete Standorte, konstante Lieferbarkeit sowie reduzierte Kosten erschlossen werden.

Woran erkennt man ein vorausschauendes Risikomanagement?

Vorausschauendes Risikomanagement beinhaltet eine kontinuierliche Überwachung, Berechnung und Planung aller Einflussfaktoren und ihrer Konsequenzen. Es beginnt in Unternehmen bei täglichen Abläufen und endet mit mittel- und langfristigen Strategien. Dazu zählen beispielsweise die Auflösung von Kapazitätsengpässen in der Produktion oder in der Tourenausführung bei Routingvorgaben unter Berücksichtigung spontaner Ereignisse. Des Weiteren helfen die passenden Strategien, die weggebrochenen Lieferketten in der Supply Chain abzulösen. Das geschieht, indem möglichst schnell neue und umsetzbare Transporte zwischen Lieferanten sowie neuen Produktionsorten und –kapazitäten gefunden werden.

Um diese Strategien erfolgreich umsetzen zu können, benötigen Unternehmen Ressourcen – sowohl personeller als auch finanzieller Art.

Große Unternehmen sind oft in der Lage, sich eine ganze Organisationseinheit für die Betrachtung von Risiken zu leisten. Doch das ist nicht unbedingt notwendig. Zuweilen reicht bereits eine Klärung der Zuständigkeit: Wer im Unternehmen prüft regelmäßig Supply Chains auf Veränderungen? Das können beispielsweise Kundennachfragen, Zukäufe im Unternehmen oder tägliche Abläufe sein. Darüber hinaus bilden sich mehrere Kernfragen heraus, die für Unternehmen im aktiven Risikomanagement relevant sind.

5 wichtige Kernfragen für Unternehmen im aktiven Risikomanagement:

  1. Welche möglichen Schwachstellen gibt es in der Lieferkette?
  2. Wie groß ist das Lieferantennetzwerk und wie sieht die geografische Verteilung aus?
  3. Wie kann die Lagerverteilung hinsichtlich der Lieferfähigkeit von Gütern erfolgen?
  4. Wie lässt sich die Transparenz der Lieferkette erhöhen?
  5. Wie lässt sich die Verlässlichkeit von Transportwegen erhöhen?

Sind Just-in-time und strategische Planung kompatibel?

Es stellt sich für Unternehmen die Frage, ob infolge der Pandemie oder anderen Ereignissen wie z. B. Brexit oder der Suezkanal-Blockade Just-in-time langfristig zum Auslaufmodell wird. Wenn Unternehmen ausschließlich kosten- und effizienzoptimiert handeln, kann sich das früher oder später rächen. Denn fehlende Transparenz in der Lieferkette kann die Kosten in die Höhe schnellen lassen. Deshalb brauchen Unternehmen Strategien, die sich mit Unvorhergesehenem beschäftigen. Selbstverständlich ist damit nicht der verschwommene Blick in die Glaskugel gemeint. Trotz der fehlenden Planbarkeit können viele Faktoren berücksichtigt und mögliche Risiken abgewogen werden.

Strategisches Risikomanagement stellt keinen Gegensatz zur Globalisierung dar. Es verlangt von Unternehmen nicht zwingend, die Produktion regional und lokal umzustellen. Der Kern von aktivem Risikomanagement beinhaltet die strategische Vorausplanung, damit alternative Produktionswege im Fall der Fälle verfügbar sind. Just-in-time bedeutet, dass Material- und Produktionsnetz bestmöglich aufeinander abgestimmt sind. Folglich kann ein Unternehmen Just-in-time nur dann konstant gewährleisten, wenn es strategisches Risikomanagement betreibt.

Die Software für Supply Chain Network Design PSIglobal unterstützt Unternehmen beim aktiven Risikomanagement.
Die Software für Supply Chain Network Design PSIglobal unterstützt Unternehmen beim aktiven Risikomanagement.

Aktives Risikomanagement sichert die Planbarkeit der Supply Chain

Aktives Risikomanagement ist der Schlüssel für die Sicherung stabiler Lieferketten. Durch den Einsatz von Supply Chain Network Design kann eine resiliente und nachhaltige Supply Chain aufgebaut und aufrechterhalten werden. Diejenigen Unternehmen, die bis dato noch kein Risikomanagement etabliert haben, sollten sich die vergangenen und teilweise aktuellen Ereignisse vor Augen führen und die Relevanz erkennen.

Die Studienlage ist eindeutig: Unternehmen, die kein aktives Risikomanagement betreiben, sind sowohl in risiko- als auch krisenreichen Situationen im Nachteil. Unternehmen sollten daher rechtzeitig aktiv werden und die richtigen Strategien mittels einer geeigneten Software für Supply Chain Network Design umsetzen.

In diesem Video sehen Sie am Beispiel der Produktionslogistik, wie sich unterschiedliche Szenarien mit Hilfe von Software im Voraus planen lassen.

Software für Supply Chain Network Design, wie bspw. PSIglobal, ermöglicht durch den Einsatz von Szenariotechnologie einen Optionsraum mit bewährten Möglichkeiten zum Erhalt der Materialversorgung. Das System ist dafür konzipiert, optimale Standortverteilungen und Netzwerke zu gestalten und zu steuern. Darüber hinaus identifiziert es die Schwachstellen innerhalb der Lieferkette. Durch die gewonnene Transparenz der Abläufe kann die Software so Risiken minimieren, indem sie alternative Lieferketten aufzeigt. Somit muss es kein Entweder-oder geben: Unternehmen, die aktives Risikomanagement betreiben, können zur selben Zeit Just-in-time sicherstellen.

 

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Dr. Giovanni Prestifilippo

PSI Logistics GmbH
Managing Director

info@psilogistics.com