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Robuste Lieferketten durch strategisches Risikomanagement

20.05.2020 - Logistik, Verkehr, Technologie

Quelle: AdobeStock/Coloures-Pic
Quelle: AdobeStock/Coloures-Pic

Eine gut funktionierende Wertschöpfungskette stellt für viele Unternehmen eine große Herausforderung dar. In der Logistikbranche stellt sich beispielsweise die Frage: Was geschieht, wenn unvorhersehbare Ereignisse die Lieferketten lahmlegen? Wenn Effizienz- und Kostenoptimierung zweitrangig werden und die Grundversorgung sichergestellt werden muss? Mit Hilfe der strategischen Planung können Unternehmen die Robustheit ihrer Wertschöpfungsketten steigern und gegen Krisen absichern.

Wie plant man, wenn nichts planbar ist?

In Krisensituationen wie der aktuellen Corona-Pandemie müssen Entscheider weiterhin die Zukunft ihres Unternehmens im Blick behalten. Doch lassen sich solche unvorhersehbaren Ereignisse planen oder gar vorhersagen? Mit einer geeigneten Strategie und dem Aufbau mehrerer Optionen lässt sich noch nicht in die Zukunft schauen. Unternehmen können sich jedoch besser darauf vorbereiten. Dazu ist es notwendig, traditionelle Prioritäten neu zu ordnen und bislang geltende Effizienzansprüche zu senken, um verschiedene Möglichkeiten auszubauen.

Im Unternehmen zahlt sich in unsicheren Zeiten keine Kostenoptimierung, sondern Anpassungsfähigkeit aus. Damit ist gemeint, mit neuen Ideen bestehende Geschäftsmodelle derart zu verändern, dass sie gewinnbringend fortgeführt werden können. Die Herausforderung, vor der viele Entscheider derzeit stehen, besteht darin, diese Kriterien gegeneinander abzuwägen und frühzeitige Flexibilität zu schaffen.

Der Lieferkettenforscher Fabian Sting unterscheidet zwischen bekannten und unbekannten Unsicherheiten:

  • Bekannt sind beispielsweise Qualitätsprobleme neuer Lieferanten oder Versorgungsengpässe aufgrund von politischen Spannungen.
  • Unbekannt sind hingegen jene Unsicherheiten, die kaum bis gar nicht vorherzusehen sind. Dazu zählen Ereignisse wie Pandemien, Explosionen, Wirtschafts- und Finanzkrisen, Naturkatastrophen, Handelskonflikte oder politische Ereignisse. Sie alle können schwerwiegende Veränderungen in der Supply Chain auslösen und beeinflussen das tägliche Leben der Menschen. Auswirkungen auf Unternehmen sind häufig in nahezu allen Branchen und Regionen weltweit spürbar.

Im Video wird erklärt, wie sich durch den Einsatz moderner Technologien „What-If-Szenarien“ entwickeln lassen, die es Unternehmen ermöglichen, die Resilienz der Supply Chain zu optimieren.

Effizienzoptimum hält in der Krise nicht stand

Beschaffungs-, Produktions- und Distributionsabläufe wurden in Unternehmen bislang vornehmlich nach Einkaufseinsparungen, sowie nach Effizienz und Kosteneinsparungen gestaltet und gesteuert. Das führt in vielen Fällen auch zu überschlanken Supply Chains.

Die weltweite Beschaffung von Gütern nach dem Prinzip des Single-Sourcing hat viele Produkte und Dienstleistungen günstiger gemacht. Allerdings ging damit auch die Robustheit und Widerstandsfähigkeit der Versorgungsketten verloren.

Die Beschaffungsprozesse sind auf Effizienz und Just-in-Time-Belieferungen, ohne Zwischenlager und Puffer ausgelegt, in denen LKWs, Flugzeuge und Seeschiffe als sogenannte „Warehouses-on-move“ fungieren.

Stabilität und Robustheit werden als Kriterien in der strategischen Planung unumgänglich

Aktuell zeigt sich, dass ausschließlich kostenoptimal ausgelegte Supply Chains im Krisenfall besonders anfällig sind. Starre Prozesse und fehlende Transparenz führen zu einer unzureichenden Agilität. Sie nehmen den Entscheidern entlang der Lieferkette die Möglichkeit, flexibel auf dynamische Szenarien zu reagieren. Die starke Fokussierung auf Kosteneinsparungen und Umsatzziele sowie historisch gewachsene Supply-Chain-Strukturen resultieren in einer Intransparenz.

Bei der Auslegung von Wertschöpfungsnetzwerken  müssen künftig neben Preis- und Qualitätskriterien zwingend auch Kriterien wie Stabilität und Krisenvorsorge eine Rolle spielen.

Dazu bedarf es einer strategischen Planung der Lieferketten, einer sogenannten „Supply Chain-Resilienz-Strategie“, welche auch ein gemeinsames Supply-Chain-Eventmanagement beinhaltet.

Was ist ein Wertschöpfungsnetzwerk?

"Ein Wertschöpfungsnetzwerk entsteht durch die Öffnung und Flexibilisierung von Wertschöpfungsketten. Die Wertschöpfungskette umfasst alle Stufen der Produktherstellung. Sie werden als geordnete Reihung von Tätigkeiten dargestellt, die in Prozessen miteinander verbunden sind. In einer vernetzten Wertschöpfungskette werden Daten der verschiedenen Stufen erhoben und mit anderen internen und externen Beteiligten geteilt." Bundesministerium für Wirtschaft und Energie

Optimierung der Wertschöpfungsnetzwerke für den Krisenfall

Aufgrund dieser Abhängigkeit können Unternehmen nur langsam und vor allem nur gemeinsam auf Störungen und Veränderungen in den Wertschöpfungsnetzwerken reagieren. Zukünftig müssen sich Einkauf, Logistik und Finanzabteilung zusammentun, um gemeinsam über Entscheidungen zu verfügen und ein klares Bekenntnis zu einem dauerhaften strategischen Supply Chain Risikomanagement abzugeben. Hierzu zählt der Aufbau von widerstandsfähigen Supply Chains sowie eine vorausschauende Supply Chain Planung und Optimierung.

Herausforderungen für die Supply Chain durch unvorhersehbare Ereignisse:

  • Identifizierung und Priorisierung von betroffenen Lieferungen, Aufträgen und kritischen Produkten
  • Prüfung und Aufbau von redundanten Bezugsquellen (Lieferanten) und Lagerbeständen
  • Potenzielle temporäre Lagerkapazitäten in Netzwerken erschließen oder weitere/alternative Standortkandidaten analysieren
  • Erhöhung der Transparenz durch Datenvisualisierung zur Vermeidung von Lieferengpässen
  • Bewertung der Auswirkung von Transporteinschränkungen (fehlende Kapazitäten, geschlossene Landesgrenzen, längere Laufzeiten) oder erhöhten Frachten auf das Logistiknetzwerk und Analyse alternativer Versandoptionen
  • Schienengüterverkehr vs. LKW-Verkehr: Verknappung an LKW-Fahrern in Europa, Probleme für LKWs an den Grenzen sowie die hohe Sicherheit von Bahntransporten fördern die Nachfrage nach Kapazitäten im kombinierten Verkehr

Erfolgreiches Risikomanagement in der Supply Chain

Grundvoraussetzung für ein erfolgreiches und ganzheitliches Risikomanagement in Supply Chains ist ein kontinuierliches Management der Wertschöpfungsketten. Die Vielzahl an Unsicherheiten macht die Gestaltung des einen, konkreten Alternativplans für Produktion, Transport- und Lieferketten unmöglich. Intelligente Software-Systeme bieten allerdings Optionen für intelligentes Risikomanagement. Sowohl im Vorfeld als auch in der konkreten Situation lassen sich damit kurzfristig praxistaugliche Modelle für die Supply Chain generieren, analysieren und auflegen.

Dazu sollten die großen und heterogenen Datenbestände der beteiligten Unternehmen in einem SCM-System vereinnahmt und zu einem Modell der Supply Chain integriert werden. In einem solchen System können dann die großen Datenmengen (Big Data) über Karten, Grafiken oder Dashboards / Control Tower visualisiert werden. Die so gewonnene Transparenz unterstützt die Verantwortlichen dabei bessere Entscheidung entlang der Lieferkette zu treffen.

PSIglobal unterstützt Sie beim Aufbau eines erfolgreichen Supply Chain Risk Managements. Quelle: PSI
PSIglobal unterstützt Sie beim Aufbau eines erfolgreichen Supply Chain Risk Managements. Quelle: PSI

Werkzeug für eine ganzheitliche Planung

Das strategische Werkzeug PSIglobal ermöglicht eine Integration von Daten aus unterschiedlichen Quellsystemen und deren Verknüpfung zur Erstellung digitaler Modelle komplexer Supply Chains.

Auf Basis der modellierten Wertschöpfungsnetzwerke können vielfältige Analysen und Optimierungen durchgeführt, sowie Schwachstellen in bestehenden Supply Chains identifiziert und beseitigt werden.

Planungsentscheidungen und Optimierungsansätze können im Rahmen von „What-If-Szenarien“ durchgespielt und die daraus resultierenden Auswirkungen direkt bewertet werden. Damit unterstützt PSIglobal ein übergreifendes, proaktives Risikomanagement in Wertschöpfungsnetzwerken. Die kontinuierliche Planung erhöht auch die Reaktionsfähigkeit der Supply Chain im Krisenfall und liefert damit einen direkten Beitrag zu ihrer Flexibilität.

Bereiten Sie Ihr Unternehmen bestmöglich vor

Unternehmen sollten stets tagesaktuell auf Ereignisse reagieren, aber auch langfristige Konzepte für ihre Lieferketten erstellen. Zur besseren Verdeutlichung und konkreten Darstellung hat PSI Logistics einen Showcase zu dem Thema „Risikomanagement in der Netzwerkoptimierung“ kreiert. Der Showcase und die enthaltenen Szenarien können für sämtliche Distributionsstrukturen verwendet werden.

Wie ist Ihre Meinung zu diesem Thema?

Dr. Giovanni Prestifilippo

Geschäftsführer PSI Logistics GmbH