ERP- und MES-Systeme für die diskrete Produktion müssen anspruchsvolle industrielle Prozesse und Anforderungen abbilden und zugleich Daten und Anwendungen miteinander verbinden. Unternehmen benötigen also IT-Anwendungen mit technologischer und funktionaler Tiefe, die ihre Mitarbeitenden zugleich einfach und verlässlich bedienen können.
Dieses Spannungsfeld zeigt auch die aktuelle Trovarit-Studie ERP in der Praxis 2026/2027. Für die aktuelle Ausgabe wurden 1.538 ERP-Installationen in Deutschland, Österreich und der Schweiz hinsichtlich Anwenderzufriedenheit, Nutzen und Perspektiven bewertet. Daraus geht u. a. hervor, dass mit zunehmend arbeitsteiligen Softwarelandschaften Integration, Datenqualität, Architektur und Modernisierungsfähigkeit an Bedeutung gewinnen. Gleichzeitig liegt für 60,8 Prozent der Befragten der wichtigste wahrgenommene ERP-Nutzen darin, Prozesse zu vereinfachen und zu beschleunigen.
Viele Unternehmen stehen damit vor einer scheinbar widersprüchlichen Aufgabe: Sie müssen wachsende funktionale und technologische Anforderungen beherrschen, dürfen die damit verbundene Komplexität aber nicht an ihre Anwender weitergeben. Genau hier setzt Simplification an.
Was bedeutet Simplification in ERP und MES?
Lange wurde Simplification bei Unternehmenssoftware nahezu ausschließlich mit Usability und intuitiven Benutzeroberflächen verbunden. Heute greift der Ansatz deutlich weiter und setzt auch bei Abläufen, Entscheidungsunterstützung und der technischen Architektur an.
Gerade in der diskreten Fertigung stellen unterschiedliche Fertigungsarten, Ressourcen, Prioritäten und Kundenwünsche hohe Anforderungen an Prozesse und unterstützende Systeme. Vereinfachung darf daher nicht bedeuten, auf Funktionen verzichten zu müssen. Simplification zielt vielmehr darauf ab, die notwendige fachliche und technologische Tiefe so zu strukturieren, dass Unternehmen ERP- und MES-Lösungen einfacher nutzen, anpassen und weiterentwickeln können.
Wie reduziert PSI-Click-Design die Komplexität für Anwender?
Die Benutzeroberfläche ist auch in Zukunft ein wichtiger Hebel für Simplification. Rollen- und kontextbezogene Oberflächen reduzieren Masken auf die Informationen und Funktionen, die Anwender für ihre jeweilige Aufgabe benötigen, und blenden weiterführende Details aus. Das beschleunigt und vereinfacht die Bedienung und vermeidet fehlerhafte Eingaben. Anwender können ihre Aufgaben dadurch effizienter und sicherer bearbeiten. In PSIpenta/ERP unterstützt unter anderem das Click-Design diesen Ansatz, indem sich Oberflächen und Ansichten an unterschiedliche Nutzungssituationen flexibel anpassen lassen – ohne IT- oder Programmierkenntnisse.
Wie vereinfacht PSIpenta/QA2 den Zugang zu Informationen?
Mit wachsender funktionaler Tiefe steigt die Menge an Informationen, die in ERP- und MES-Lösungen sowie in begleitenden Dokumentationen verfügbar ist. Umso herausfordernder kann es für Anwender sein, benötigtes Wissen in einer konkreten Situation schnell und gezielt abzurufen. Passend dazu nennt die Trovarit-Studie neben der Prozessvereinfachung auch den schnellen Informationszugriff sowie faktenbasierte und nützliche Informationen zu den zentralen wahrgenommenen Nutzenaspekten von ERP.
Mit dem Simplification-Ansatz setzt PSI daher auch beim Zugang zu Informationen an. KI ermöglicht hier eine neue Form der Interaktion, indem sie vorhandenes Wissen dialogbasiert erschließt. Zum Einsatz kommt eine Auskunftsfunktion auf Basis von Retrieval Augmented Generation (RAG). Statt Informationen in Prozessdokumentationen, DokuWikis oder Handbüchern manuell zu suchen, stellen Anwender konkrete Fragen und erhalten strukturierte sowie verlässliche Antworten. So wird vorhandenes Wissen leichter zugänglich und die Suchzeit verkürzt.
Wie unterstützt KI bei komplexen Entscheidungen?
Auch die Entscheidungsfindung in Planung und Steuerung, bei der zahlreiche Parameter, Abhängigkeiten und Zielkonflikte gleichzeitig berücksichtigt werden müssen, ist für viele Unternehmen zu einer anspruchsvollen Aufgabe geworden. KI und Optimierungsverfahren vereinfachen die Entscheidungsfindung, indem sie komplexe Zusammenhänge auswerten, Szenarien gegenüberstellen und mögliche Handlungsalternativen aufzeigen. In der Produktionsplanung nutzen lernende Algorithmen beispielsweise historische Planungsmuster, schlagen alternative Sequenzen vor und machen Engpässe frühzeitig sichtbar. So verdichtet das System eine Vielzahl von Einflussgrößen zu einer belastbaren Grundlage, die den Anwender dabei unterstützt, richtige Entscheidungen zu treffen, ohne ihm diese abzunehmen.
Wie vereinfacht der PSIpenta/Workflow Developer die Anpassung von Prozessen und Regeln?
Simplification betrifft neben der Nutzung durch Anwender auch die Abbildung fachlicher Logik im System. Genau die müssen Unternehmen und ihre Fachabteilungen aufgrund sich ändernder Anforderungen regelmäßig anpassen. Ist dafür individuelle Programmierung erforderlich, sind Unternehmen auf eigene, oftmals knappe Ressourcen in der IT-Abteilung oder auf externe Unterstützung angewiesen. Beides ist mit hohem technischem Aufwand verbunden und führt nicht selten zu Zeitverzug.
Simplification löst daher fachliche Logik vom Programmcode. Mit dem PSIpenta/ERP Workflow Developer lassen sich Prozesse auf Basis von BPMN 2.0 grafisch und fachnah modellieren. Änderungen können dadurch flexibel und schnell umgesetzt werden, ohne in den Programmcode eingreifen zu müssen.
Welchen Beitrag wird die Systemarchitektur künftig zur Vereinfachung leisten?
Mit zunehmend vernetzten Systemlandschaften wächst nicht zuletzt die technische Komplexität im Hintergrund. Daten müssen zwischen Anwendungen fließen, Funktionen zusammenspielen und neue Komponenten möglichst ohne weitreichende Abhängigkeiten integrierbar sein.
Aus Simplification-Sicht gewinnt deshalb auch die Architektur an Bedeutung. Für PSI ist dies eine wichtige Entwicklungsrichtung. Ziel ist es, unter anderem durch Modularisierung technologische Tiefe und Integrationsfähigkeit konsequent auszubauen und zugleich die Nutzung und Weiterentwicklung ihrer Systeme für Unternehmen zu vereinfachen.
Simplification als Maßstab für die Weiterentwicklung
Unternehmen benötigen ERP- und MES-Lösungen, die leistungsfähig und vernetzt sind und sich zugleich möglichst einfach nutzen und weiterentwickeln lassen. Die Trovarit-Studie bestätigt diesen Doppelanspruch. Integration, Architektur und Modernisierungsfähigkeit gewinnen an Bedeutung, gleichzeitig bleibt die Vereinfachung und Beschleunigung von Prozessen der wichtigste wahrgenommene ERP-Nutzen. Simplification ist daher auch für die Weiterentwicklung von PSIpenta/ERP und MES ein zentrales Gestaltungsprinzip.