Tobias Quast

: Hannover Messe 2026: Die wichtigsten Industrial AI-Trends im Überblick

Unter dem Motto „Unlock your business potential with Industrial AI“ präsentierte PSI Weiterentwicklungen ihres Softwareportfolios. Der Schwerpunkt lag auf KI-basierten Anwendungen zur Optimierung und Steuerung industrieller Geschäftsprozesse: insbesondere in Produktion, Logistik und Energie.

Die Hannover Messe 2026 zeigte deutlich: Industrial AI ist in der Industrie angekommen. Was vor wenigen Jahren noch als abstraktes Zukunftsversprechen galt, zeigt sich heute in konkreten Anwendungsfeldern für Produktion, Logistik, Energie und weit darüber hinaus. Im Mittelpunkt steht nicht mehr die Frage, ob Künstliche Intelligenz in der Industrie eingesetzt wird. Entscheidend ist viel mehr, wie sie Geschäftsprozesse messbar optimiert, Entscheidungen unterstützt und bestehende Systemlandschaften intelligenter macht. Auch PSI rückte diesen Wandel auf der Hannover Messe erneut in den Fokus.

Dabei zeigte PSI einmal mehr ihre inzwischen Jahrzehnte andauernde Erfahrung rund um industrielle KI sowie KI-gestützte Entscheidungs- und Optimierungsverfahren: Seit rund 30 Jahren sind entsprechende PSI-Produkte im Einsatz. Neu ist jedoch die Qualität der Interaktion: Adaptive Algorithmen lassen sich nun mit generativer KI verbinden. Sie werden damit für Anwender deutlich zugänglicher. Industrial AI avanciert zu einer noch leistungsfähigeren Komponente, die verständlicher und näher an den operativen Prozessen agiert. Wir haben vor Ort die wichtigsten Industrial-AI-Trends eingefangen.

Generative KI macht industrielle Algorithmen zugänglich

Ein zentraler Trend der Hannover Messe 2026 ist die neue Rolle generativer KI als Schnittstelle zwischen Menschen, Systemen und Algorithmen. In vielen Industrieunternehmen sind Planungs- und Optimierungssysteme hoch leistungsfähig, aber nicht immer intuitiv zugänglich. Anwender müssen komplexe Parameter verstehen, Systemlogiken kennen und verschiedene Informationsquellen zusammenführen.

PSI zeigte auf der Messe eine Neuentwicklung, die genau hier ansetzt: Die Interaktion mit Algorithmen wird auf eine sprachgesteuerte Ebene gehoben. Möglich wird dies durch die Verbindung adaptiver KI-Entscheidungs- und Optimierungsalgorithmen mit generativer KI in RAG-Systemen, also Retrieval-Augmented Generation. Dadurch können adaptive KI-Algorithmen ihre Ergebnisse nicht nur kontinuierlich berechnen, sondern auch so erklären, dass sie für Personen mit Prozessexpertise verständlich sind. Der Mehrwert liegt darin, dass industrielle Systeme nicht mehr nur Ergebnisse ausgeben, sondern in einen Dialog mit den Anwendern treten.

Sprachgesteuerte Interaktion

Planerinnen und Planer können Fragen stellen, Zusammenhänge prüfen und Entscheidungen besser nachvollziehen. Generative KI entwickelt sich damit hin zu einer Übersetzungsleistung zwischen Optimierungslogik und Arbeitsalltag, beispielsweise in einem ERP-System. PSI demonstrierte einen durch generative KI erweiterten Assistenten, der bei Fragen nicht nur passende Informationen liefert, sondern auch kontextbezogene Handlungsempfehlungen anbietet. Der große Vorteil: Anwender können vorhandenes Systemwissen direkt im Prozess nutzen.

Eine weitere Beobachtung in diesem Kontext: Enterprise Resource Planning (ERP) entwickelt sich zunehmend weg von der reinen Datenbasis hin zur aktiven Steuerungsinstanz für Produktionsprozesse. Auf der Hannover Messe stellte PSI neue ERP-Funktionen vor, die genau diese Entwicklung unterstützen. Im Mittelpunkt stehen dabei die Steuerung und Optimierung von Produktionsprozessen, ergänzt durch KI-gestützte Features wie beispielsweise die Dokumentenerfassung. Sie unterstützt Organisationen dabei, Informationen schneller zu erfassen, zu strukturieren und in digitale Prozesse zu überführen. Gerade in industriellen Umgebungen, in denen Dokumente, Aufträge, technische Informationen und Prozessdaten zusammenwirken, reduziert diese Funktion Medienbrüche und beschleunigt Abläufe.

Ein Rückblick auf die Hannover Messe 2026 mit den wichtigsten Momenten, Gesprächen und Erkenntnissen.

Video: Hannover Messe 2026 im Rückblick

MES als intelligente Steuerungsplattform

Nicht nur aufgrund geopolitischer Herausforderungen bleibt Flexibilität in der Fertigungsindustrie einer der wichtigsten Wettbewerbsfaktoren. Die Branche kämpft mit vielen Herausforderungen: Variantenvielfalt, schwankende Materialverfügbarkeiten, kurzfristige Änderungen und steigende Anforderungen an Termine und Qualität erhöhen den Druck auf die Produktionsplanung. Der Bedarf nach Lösungen, die diesem Spannungsfeld mit guten, innovativen Ideen begegnen, war auch auf der Hannover Messe spürbar. Dafür zeigte PSI ein cloud- und workflowbasiertes Manufacturing Execution System (MES), das mit KI-basierten Funktionen im Modul Sequencing eine intelligente und ausbalancierte Feinplanung für die Linienfertigung ermöglicht. Dabei liegt der Fokus darauf, Planungsentscheidungen nicht isoliert zu betrachten, sondern unterschiedliche Zielgrößen miteinander in Einklang zu bringen.

Gerade in der Linienfertigung kommt es darauf an, Reihenfolgen, Ressourcen, Materialflüsse und Kapazitäten möglichst ausgewogen zu planen. KI-basierte Sequencing-Funktionen können dabei helfen, komplexe Abhängigkeiten schneller zu bewerten und bessere Vorschläge für die operative Feinplanung zu liefern. Der Trend zeigt: MES-Systeme entwickeln sich von reinen Ausführungs- und Rückmeldesystemen zu intelligenten Steuerungsplattformen. Sie verbinden operative Produktionsnähe mit algorithmischer Optimierung und schaffen damit eine wichtige Grundlage für adaptive Fertigungsprozesse.

Mobile ERP- und MES-Lösungen bringen KI näher an den Shopfloor

Fest steht: Industrial AI entfaltet ihren Wert nur dann, wenn sie dort verfügbar ist, wo Entscheidungen getroffen werden. Deshalb gewinnen mobile, workflowbasierte Anwendungen massiv an Bedeutung, da industrielle Prozesse selten statisch sind. Rollen, Abläufe, Informationsbedarfe und Prioritäten unterscheiden sich je nach Abteilung, Standort oder Aufgabe. Starre Oberflächen und vorgegebene Prozesswege passen dazu oft nur bedingt. Workflowbasierte mobile Lösungen schaffen mehr Nähe zur tatsächlichen Arbeitssituation. Anwender können Informationen unterwegs erfassen, Prozesse flexibler abbilden und Oberflächen stärker an ihre Anforderungen anpassen. In Kombination mit KI-basierten Funktionen entsteht eine neue Form der industriellen Assistenz. Damit wird Industrial AI nicht nur ein Thema für Planung und Management, sondern auch für den Shopfloor. PSI bietet hier mobile ERP- und MES-Lösungen, die eine dynamische Modellierung von Prozessen und die individuelle Gestaltung von Oberflächen ermöglichen.

Logistikoptimierung löst starre Strategien ab

Auch in der Intralogistik zeigt sich der Wandel von festen Regelwerken hin zu adaptiven Optimierungsansätzen. Lagerprozesse müssen heute schneller, effizienter und robuster werden. Gleichzeitig steigen Anforderungen an Lieferfähigkeit, Transparenz und Ressourceneinsatz.

In Hannover stellte PSI unter anderem Weiterentwicklungen des Warehouse Management Systems vor. Dazu gehört das in den Standard integrierte Modul Batch AI: Es optimiert mit regel- und KI-gestützter Batch-Bildung einstufige sowie zweistufige Kommissionierstrategien.

Der Nutzen liegt auf der Hand: Aufträge lassen sich intelligent bündeln. Statt ausschließlich nach starren Regeln zu arbeiten, kann das System unterschiedliche Faktoren berücksichtigen und Batch-Entscheidungen dynamischer treffen. In der Folge reduzieren sich Wege, es beschleunigen sich Kommissionierprozesse und die Lagereffizienz wächst.

Gerade in Zeiten volatiler Nachfrage und hoher Serviceerwartungen avanciert diese Flexibilität zum entscheidenden Vorteil. Warehouse Management wird damit nicht nur zur Bestands- und Prozessverwaltung, sondern zur aktiven Optimierungsinstanz in der Lieferkette.

Tobias Quast

Produktionsdaten und Systemwissen wachsen zusammen

Die Tatsache, dass Produktionsdaten und Systemwissen zusammengehören, hat spätestens seit AI die Welt verändert, eine neue Dynamik gewonnen. Ein besonders spannender Anwendungsfall zeigt sich in der Metallindustrie. PSI präsentierte eine cloudfähige und serviceorientierte Produktionsmanagementlösung mit Fokus auf generativer KI. Ein zentrales Element ist das Model Context Protocol (MCP) Interface zum PSI Factory Model.

Der dazugehörige Chatbot „Factory Model & Documentation“ verbindet erstmals den direkten Datenbankzugriff auf Produktionsdaten mit dem tiefen Wissen aus der Systemdokumentation. Damit entsteht eine intelligente Brücke zwischen operativen Daten und technischem Systemverständnis. Für Anwender bedeutet das: Produktionsinformationen lassen sich nicht nur abrufen, sondern im Kontext der Systemlogik interpretieren. Fragen zu Prozessen, Datenstrukturen oder Produktionszuständen können näher an der realen Situation beantwortet werden. Besonders für Wartung, Prozessoptimierung, technische Analyse und Engineering eröffnet dieser Ansatz neue Möglichkeiten.

Der Trend dahinter reicht über die Metallindustrie weit hinaus. Industrial AI wirkt insbesondere dort, wo Daten nicht isoliert bleiben, sondern sich mit Modellen, Dokumentation und Prozesswissen verbinden.

Von reaktiver Planung zu datengesteuerten Prozessen

Industrial AI verändert nicht nur einzelne Funktionen, sondern auch das Grundverständnis industrieller Planung. Einige Unternehmen arbeiten noch immer stark reaktiv: Sie reagieren auf Engpässe, Planabweichungen, Materialprobleme oder Kapazitätskonflikte, sobald diese sichtbar werden. PSI greift diesen Trend auf und beweist anhand von Praxisbeispielen aus dem Maschinen- und Anlagenbau, wie der Übergang von reaktiver Planung zu datengesteuerten Prozessen gelingen kann. Im Mittelpunkt steht dabei immer die Frage, wie Unternehmen ihre Produktionsauslastung durch KI-basierte Funktionen optimieren.

Das ist besonders relevant für den Maschinen- und Anlagenbau, weil dort komplexe Auftragsstrukturen, hohe Variantenvielfalt und begrenzte Ressourcen zusammenkommen. Datengesteuerte Planung kann hier helfen, Engpässe früher zu erkennen, Alternativen besser zu bewerten und die Auslastung gezielter zu steuern.

Die Kombination aus faktenbasierter KI-Entscheidungsfindung und Optimierungssoftware mit Gen-AI-basierten RAG-Anwendungen stellt einen bedeutenden Entwicklungsschritt dar. Sie verlagert die Interaktion von einer numerischen auf eine sprachliche Ebene und verbessert die Nachvollziehbarkeit der Ergebnisse sowie die Steuerbarkeit von KI-Optimierungen erheblich.

Dr. Rudolf Felix Chief AI Officer, PSI Software SE

Energieversorger profitieren von KI

Die Steuerung und Verwaltung moderner Versorgungsnetze wird immer komplexer: Volatile Bedingungen, strenge Regulierung und der Druck auf maximale Effizienz und Sicherheit erfordern mehr denn je eine durchgängige, digitalisierte, integrierte und intelligente Lösung. Vor diesem Hintergrund stellte PSI die durchgängige, digitale, integrierte Lösung für Management, Betrieb und Instandhaltung der Netze vor. In Kombination mit ihrer mobilen Lösung schließt PSI die Lücke zwischen Leitstelle und Feld. Nicht zuletzt entwickelt PSI mit ihrem spartenübergreifenden Leitsystem zudem eine innovative und integrierte KI-gestützte Lösung für die Sicherstellung einer nachhaltigen Energieversorgung.

Für den algorithmischen Intraday-Handel zeigte PSI das Modul Qualicision Smart Day Trader: Es überzeugt durch eine intuitive Ziel-Funktionskonfiguration via grafischer KPI-Steuerelemente sowie durch erklärbare KI. Die Entscheidungen und ihr zugrunde liegender Entscheidungsprozess lassen sich in Echtzeit visualisieren, sodass der Handelsverlauf nachvollziehbar bleibt. Auch auf die wachsende Bedrohung durch Cyberangriffe auf Netzbetreiber hat PSI eine Antwort und demonstrierte ihre KI-basierte Lösung für eine engmaschige, kontinuierliche Netzüberwachung der Betriebsmittel in Echtzeit. 

Fazit: Industrial AI braucht skalierbare Architekturen

Die Beispiele der Hannover Messe machen deutlich: KI entfaltet ihren industriellen Nutzen nicht isoliert. Sie braucht Daten, Prozessintegration und skalierbare Architekturen. Cloudfähige Lösungen, serviceorientierte Anwendungen, mobile Workflows und intelligente Schnittstellen bilden daher eine wichtige Grundlage.

Gerade die Verbindung von cloud- und workflowbasiertem MES, mobilen ERP- und MES-Anwendungen, KI-gestützter Dokumentenerfassung und generativer KI zeigt, wohin sich industrielle Software entwickelt: weg von geschlossenen Einzelsystemen, hin zu stärker vernetzten Plattformen. Die Kombination aus faktenbasierter KI-Entscheidungsfindung und Optimierungssoftware mit Gen-AI-basierten RAG-Anwendungen stellt einen bedeutenden Entwicklungsschritt dar. Sie verlagert die Interaktion von einer numerischen auf eine sprachliche Ebene und verbessert die Erklärbarkeit der Ergebnisse sowie die Steuerbarkeit von KI-Optimierungen erheblich.

Der Fokus verschiebt sich insgesamt von abstrakten KI-Versprechen zu nutzbaren Funktionen: in ERP, MES, WMS, Produktionsmanagement und Energieversorgung sowie zu weiteren industriellen Anwendungen. Durch den Einsatz von Large Language Models (LLMs) und speziellen RAG-basierten Dokumenteneinbettungen erhalten die Anwendungen einen eher chatähnlichen Charakter, können aber dennoch numerisch mit hoher Effizienz optimieren.

Im Rahmen der Hannover Messe konnte sich PSI mit einem umfassenden KI-basierten Lösungsportfolio als ein langjähriger und innovativer Experte für Industrial AI positionieren. Dies wurde von zahlreichen Vorträgen zu KI-Fokusthemen auf dem Messestand und in Foren, einem Showcase sowie der von der Hannover Messe organisierten Guided Technolgy Tour “KI in der Fertigung” bestärkt. Zudem hat PSI den Factory Innovation Award 2026 in der Kategorie „Künstliche Intelligenz in der Fabrik“ gewonnen. 

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Pascal Kätzel Head of Knowledge Transfer AI, PSI Software SE | Central Function Industrial Artificial Intelligence
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